Mit anderen Sinnen sehen

Dienstag, 4. Juni 2013  |  Kulturausflug Blindenheim Horw

Der diesjährige Kulturausflug führte die Frauen- und Müttergemeinschaft Lungern nach Horw ins Blindenheim. 21 Frauen und der Geistliche Begleiter folgten der Einladung und liessen sich über die Fähigkeiten dieser sehbehinderten Menschen verzaubern.

Zu Beginn des Nachmittags stellte Herr Vogel den Anwesenden die Organisation Blinden-Fürsorge Innerschweiz vor. Diese Organisation setzt sich aus der Fürsorge, dem Blindenheim und der Blindenwerkstatt zusammen. Die Fürsorge befindet sich in der Stadt Luzern bei der Waldegg, dort können sich sehbehinderte Menschen, aber auch Angehörige beraten lassen. Das Blindenheim in Horw ist das Zuhause für sehbehinderte Menschen, welche den Alltag nicht alleine bewältigen können. Und dann ist noch die Blindenwerkstatt, welche aber nicht mit der benachbarten Behindertenwerkstatt «Brändi» zu verwechseln ist. Seit 1906 bietet die Blindenwerkstatt Horw in verschiedenen Fachbereichen 80 Arbeits- und Ausbildungsplätze für blinde und sehbehinderte Menschen im geschützten Rahmen an, ca. 60 dieser Menschen pendeln jeden Tag zur Arbeit. Dank dieser Arbeitsplätze können diese Mitmenschen ihre Stärken optimal in die tägliche Arbeit einbringen und individuell gefördert werden.

Nach einem interessanten Film und den ersten Informationen machten sich die Teilnehmerinnen auf den Weg durch die Werkstatt. Vor jeder Abteilung sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Bilderreihe mit Blindenschrift und als schwarz/weiss Bild aufgelistet. Der Geruch von neuem Holz lässt erahnen, hier ist die Schreinerei, weiter führte der Rundgang durch die Korb- und Sesselflechterei. Da werden neue Produkte hergestellt aber auch Kundenaufträge sowie Reparaturen ausgeführt. Nun gelangte man zur bekannten Besen- und Bürstenfabrikation, mit viel Handgeschick und Kraft werden die Bürstenbündeli in die vorgesehenen Löcher eingezogen, anschliessend durchquerte man die Versandabteilung und gelangte in den Hauseigenen Verkaufsladen.
Mit Besen, Bürsten und Körben beladen versammelten sich die Frauen wieder im Inforaum um anschliessend das Apero und eine Fragerunde im Dunkeln einzuläuten. Wer möchte durfte nun die Blindenaugenbinde aufsetzten, auf einmal war alles stockdunkel. Als Tatzelwurm stieg die Frauenbande nun das Treppenhaus hin unten. Vor dem Eingang zum dunkel Aperoraum wartete der Tross bis eine sehbehinderte Frau jede einzeln abholte und den Platz am Tisch zu weiste. Zwei Gläser und ein Teller mit jeglichen Lebensmitteln konnte man ertasten. Nun begann die Suche nach den Getränken, endlich die Flasche gefunden, kam das eigentliche Highlight. Wie kommt diese Flüssigkeit nun reibungslos ins Glas? Gespannt hörten die Damen den Ausführungen eines jungen Herrn zu, welcher über das «Leben im Dunkeln» erzählte und wie er sein Leben und vor allem seine Ferien und Reisen gestaltet. Anstelle eines Fotoapparats nimmt er einen Recorder mit, seine Reiseerinnerungen bestehen aus Stimmen und Klängen.

Mit anderen Sinnen das Apero sehen
Nebenbei knabberten die Frauen die Lebensmittel auf dem Teller. Abgetastet könnte es ein Radiesli sein. Richtig! Und dann, was könnte dies wohl sein. Keine Ahnung. Upps – etwas sehr scharfes, schnell ein Schluck Wasser – ach wo war die Flasche nun wieder, und dann der zierliche Geschmack der Erdbeere rundete die Harmonie im Mund ab. Im Treppenhaus gabs noch ein Treffen mit dem Koch, der die Zutaten des Apéro-Tellers verriet. Mit vielen Eindrücken verlässt die Frauenrunde das Areal der Blinden-Fürsorge Innerschweiz.
Weitere Infos entnehmen Sie auf der Homepage der Blinden-Fürsorge Innerschweiz www.bfvi.ch.

Regina Halter  |  Aktuarin FMG Lungern


Damit die Privatsphäre der sehbehinderten Menschen nicht gestört wird, durfte während dem Rundgang nicht fotografiert werden, deshalb sehen Sie hier Bilder der Homepage www.bfvi.ch.